|
Bei Ihnen ist die Behandlung mit dem Medikament Marcumar zur Gerinnungshemmung (im Volksmund "Blutverdünnung") notwendig? Je besser Sie sich mit den Besonderheiten der gerinnungshemmenden Therapie und deren Kontrollen auskennen, umso nebenwirkungsärmer ist Ihre Therapie. Aus diesem Grund bieten wir im Gesundheitszentrum Schulungen an zur Marcumartherapie und zu INR Selbstmessungen (Blutgerinnungs-Wert s.u.). Da wir in diesem Fall die individuelle Betrachtung für unerläßlich halten, bieten wir diese Schulungen nur in Einzelsitzungen an.

Hier eine allgemeine Patienteninformation zur Marcumartherapie:
Blutstillung und Blutgerinnung Die nach einer Verletzung auftretende Blutung hört normalerweise nach wenigen Minuten auf. An dieser Blutstillung sind folgende Faktoren beteiligt:
- Sofort nach der Verletzung zieht sich das Gefäß zusammen und verkleinert somit das verletzungsbedingte Loch im Gefäß.
- Gleichzeitig heften sich die Blutplättchen (Thrombozyten) des ausströmenden Blutes an der Gefäßwand an und verstopfen diese Öffnung.
- Parallel zur Bildung diese Blutplättchenpfropfes gerinnt das Blut, wobei die sich bildenen Fibrinfäden den Propf umspinnen und ihm die notwendige Festigkeit verleihen. Hierbei werden die im Blut in inaktiver Form zirkulierenden Vorstufen aktiviert und es entsteht Fibrin.
Diese drei Mechanismen, inbesondere die Blutgerinnung, stellen somit einen Schutzmechanismus dar und bewirken, dass wir im Fall einer Verletzung nicht verbluten. Normalerweise findet die Blutstillung nur dort statt, wo sie gebraucht wird, z.B. am Ort der Verletzung. Bei bestimmten Erkrankungen jedoch gerinnt das Blut auch unabhängig von einer Verletzung im Kreislauf unseres Körpers. Es entsteht eine Thrombose bzw. ein Thrombus. Das kann z.B. in unseren Venen passieren, wenn das Blut z.B. nach einer Operation langsamer in den Beinvenen zirkuliert und die Gerinnung durch die Operationswunde aktiviert ist. Ein solches Blutgerinsel kann ebenfalls in den Herzhöhlen auftreten, z.B. bei gewissen Herzklappenfehlern sowie bei Herzinfarktpatienten, bei denen sich möglicherweise eine Aussackung der Herzwand gebildet hat, in der das Blut nicht richtig zirkuliert. Auch der Herzklappenersatz führt aus viellerlei Gründen zu einer erhöhten Gerinnungsneigung an der Kunstklappe selbst. Bildet sich ein Blutgerinsel (Thrombus) an der künstlichen Klappe, wird dadurch möglicherweise die Funktion der Klappe beeinträchtigt. Das heißt, die Klappe schließt und öffnet nicht mehr richtig. Außerdem ist schon ein gering ausgeprägter, flächenhafter, thrombotischer Belag auf einer Kunstklappe ein idealer Nährboden für Bakterien, die sich, im Falle einer Einschwemmung von Bakterien in die Blutbahn, dort ansiedeln. Es entsteht so das Krankheitsbild der Endokarditis (Herzinnenhautentzündung), die eine lebensbedrohliche Komplikation darstellt Ein Gerinnsel, das sich beispielsweise in den Beinen (Thrombose), Herzhöhlen oder an einer Kunstklappe gebildet hat, kann sich am Entstehungsort lösen und gelangt mit dem Blutstrom in einen anderen Bereich des Körpers, wo es ein Gefäß verschließt. In diesm Fall sprechen wir von einer Embolie. Je nach dem welches Gefäß betroffen ist, tritt eine evtl. lebensbedrohliche Durchblutungsstörung auf, z.B. ein Schlaganfall, wenn ein zum Gehirn ziehendes Gefäß befallen ist.
Hemmung der Gerinnung Die Entstehung eines Thrombus bzw. einer Embolie wird dadurch vermieden, dass man durch bestimmte Medikamente das Blut daran hindert zu gerinnen. Die Einstellung mit gerinnungshemmenden Medikamenten (Markumar, Heparin) soll so erfolgen, dass die Gerinnungsneigung so deutlich herabgesetzt ist, dass keine Thrombose bzw. Embolie auftritt, aber auf der anderen Seite das Blut, insbesondere bei Verletzungen, noch gerinnt. Viele Patienten sprechen in diesem Fall von einer "Blutverdünnung"
MARCUMAR® hemmt die Bildung der Gerinnungsfaktoren in der Leber. Es ist ein Gegenspieler des Vitamin K, das beim Aufbau der Gerinnungsfaktoren in der Leber benötigt wird. In Abhängikeit von der Dosierung nimmt die Gerinnbarkeit des Blutes ab, d.h., die Gerinnungszeit des Blutes wird verlängert. Marcumar wird als Tabletten verabreicht. HEPARIN ist ein weiters Medikament zur Hemmung der Gerinnung. Es kann nur gespritzt werden, entweder intravenös (in die Vene) oder subcutan (unter die Haut). Daher eignet es sich nicht für eine Langzeitbehandlung. ACETYLSALICYLSÄURE (ASS) beeinträchtigt die Funktion der Blutplättchen. Es ist geeignet bei Erkrankungen der Arterien (Verengung z.B. der Herzkranzgefäße auf Basis einer Arteriosklerose). Es ist nicht geeignet bei Erkrankungen im Bereich der Venen und bei implantierten Kunstklappen.

Gerinnungshemmung mit Marcumar und Heparin In Deutschland wird die Gerinnungshemmung üblicherweise mit dem Medikament Marcumar druchgeführt. Es gehört zu den lang wirkenden Cumarinen, die eine gleichmäßige Einstellung der Gerinnungswerte leichter gestatten als kurzwirkende Gerinnungshemmer. Seine Halbwertzeit im Blut beträgt etwas 7 Tage. Um den therapeutischen Bereich (Verhinderung der Gerinnselbildung ohne stärkere Blutungsgefährdung) zu erreichen, wird das Medikament anfänglich höher dosiert. Der gewünschte Bereich wird nach 3-7 Tagen erreicht. In den ersten 14 Tagen wird die ungefähre Tages- bzw. Wochendosis ermittelt. Die anschließende Dauertherapie richtet sich nach dem individuellen Bedarf des Patienten.
Für jeden Patienten muss ein individueller therapeutischer Bereich gefunden werden, je nach vorliegendem Krankheitsbild. Genau dieser Aufgabe widmen wir uns im Gesundheitszentrum! Dabei ziehen wir auch folgende Überlegungen in Betracht:
- Wechselwirkung mit anderen Medikamenten
- Einflüsse bestimmter Lebensmittel respektive Diäten
- Alkoholgenuß und Rauchen
- Erhöhte Blutfette
- Diabetes
- Akute Erkrankungen wie z.B. fieberhafte Infekte, Durchfall, Erbrechen.
Marcumarpass
Sie erhaltenvon uns einen Marcumarpass, den Sie ständig bei sich tragen sollten. In diesem Pass werden neben der Patienten- und Arztadresse besonders die Indikation für die Therapie mit Marcumar, der Zielbereich für die INR-Werte sowie die geplante Dauer der Behandlung eingetragen. Weiter tragen wir den INR-Messwert und die Empfehlung für die Tabletteneinnahme der nächste Tage/Wochen, sowie das Datum für die nächste Kontrolle ein. Bitte halten Sie dieses Datum ein, da mitunter eine gefährliche Entwicklung der Messwere z.B. durch Erkrankung, Diät, Therapieumstellung u.a. eine kurzfristige Kontrolle und ggf. Dosisanpassung erforderlich machen.
Unsere Empfehlung Wie Sie aus den obigen Ausführungen ersehen können, ist es für Ihren Körper von großer Bedeutung den INR-Wert möglichst konstant zu halten. Kommen Sie daher regelmäßig zur Kontrolle und bleiben Sie mit uns im Gespräch. Teilen Sie uns alle (auch kleinere) ärztliche und zahnärztliche Eingriffe vorher ! mit, damit wir gemeinsam einen Therapieplan aufstellen können. Weisen Sie jeden behandelnden Arzt vor ! einer Spritze in den Muskel darauf hin, dass Sie Marcumarpatient sind. Spritzen in den Muskel sind wegen der Blutungsgefahr mit Schädigung von Nerven und Muskulatur absolut zu vermeiden! Spritzen unter die Haut (subcutan) können problemlos verabreicht werden. Daher sind auch alle Impfungen, wie Grippe- oder Wundstarrkrampfimpfung, durchführbar.
Hier können Sie sich zu einer Marcumartherapie-Schulung anmelden.
|